Man möchte sich bei Amazon ein Produkt bestellen, und um zu wissen, ob dieses Produkt das Geld auch wert ist, schaut man für gewöhnlich in die Bewertungen hinein. Es steht außer Frage, dass die meisten Entscheidungen für oder gegen einen Kauf von den vorhandenen Bewertungen beeinflusst werden. Das Problem beim Kauf online liegt klar auf der Hand. Zum einen gibt es niemanden, der einen persönlich beraten kann, zum anderen ist es auch nicht möglich, das Produkt direkt anzufassen und in Augenschein zu nehmen. Der IT-Branchenverband Bitkom hat in einer Umfrage herausgefunden, dass drei von vier Käufern im Internet die Bewertungen unter dem Artikel lesen. Der Umfrage nach soll es so sein, dass etwa 41 Prozent aller Internet-Einkäufer zugaben, dass diese Bewertungen einen Einfluss haben auf das eigene Kaufverhalten. Produkte ohne eine einzige Bewertung landen meistens nicht in der engeren Kaufauswahl, egal wie günstig das Produkt auch angeboten wird. Das Vertrauen in Produkte mit Bewertungen ist weitaus höher als in Produkte ohne Bewertungen.

Falsche Bewertungen – für Verkäufer sehr interessant

Da die Bewertungen solch einen großen Einfluss auf die Kaufentscheidung haben, ist es natürlich kein Wunder, dass viele Unternehmen in diese Richtung etwas unternehmen möchten. Im Internet gibt es diverse Angebote, wo Bewertungen ganz einfach gekauft werden können. Der Ablauf ist ganz einfach, der Amazon-Händler bezahlt Menschen dafür, dass sie auf Amazon sehr gute Bewertungen abgeben für seine Produkte, um deren Attraktivität zu steigern. Was für den Händler einen positiven Effekt hat, nämlich die Steigerung seines Umsatzes, ist für den Käufer negativ. Schließlich fällt man auf Bewertungen herein von Leuten, die das Produkt gar nicht erst gesehen geschweige denn getestet haben, und nur für die Bewertung bezahlt werden. Dementsprechend stützt sich die Kaufentscheidung auf falsche Bewertungen.

Amazon will Falsch-Bewertungen stoppen

Jetzt ist es endlich soweit, dass Amazon auf solche falschen Bewertungen reagiert. Das Unternehmen geht nun vor gegen entsprechende Händler, die Bewertungen kaufen. Wie unterschiedliche US-Medien berichten, soll der Internet-Konzern Anträge auf Schiedsgerichtsverfahren gestellt haben gegen drei Händler ihrer Plattform. Unter anderem ist geplant, den betroffenen Händlern das Handeln auf Amazon zu untersagen.

Das ist das erste Mal, dass Amazon gegen die Händler vorgeht, die gefälschte Bewertungen kaufen. Bisher lagen eher die Dienstleister, die solche Bewertungen anboten, im Fokus des Konzerns. Auch diejenigen, die die Bewertungen geschrieben haben, gerieten ins Visier.

Da das Vorgehen gegen die Anbieter von Falsch-Bewertungen offensichtlich nicht ausgereicht hat, will Amazon nun auch auf Händlerseite durchgreifen, um den falschen Bewertungen ein Ende zu setzen. Experten gehen davon aus, dass dies eine abschreckende Wirkung auf alle Händler von Amazon haben soll. Das Unternehmen teilte mit, dass man den Anreiz für Händler beseitigen wolle, sich zu beteiligen „am Missbrauch von Nutzerwertungen“.

Falsch-Bewertungen auf anderen Portalen

Amazon ist nicht die einzige Plattform, die von solchen Falsch-Bewertungen betroffen ist, sie sind überall zu finden. Oft kann man sie sogar selbst erkennen. Sehr überschwänglich gehaltene Bewertungen sind meistens ein Indiz für eine gefälschte Bewertung. Dies ist besonders dann auffällig, wenn die meisten anderen Bewertungen zum gleichen Produkt ganz anders ausfallen. Oft werden gleiche Wörter genutzt, oder dieselben Fotos, auch hier kann man gefälschte Bewertungen erkennen.